Gefragt: Vierzehn Netzköpfe antworten

Dein netzpolitisches Highlight 2014?
Dein Wunsch für 2015?

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Mario Sixtus, 49, Journalist und Autor, Berlin

Die Hybris der vereinigten Zeitungsverleger, zu versuchen, mal eben die Marktwirtschaft außer Kraft zu setzen. „Kauf unser Produkt zu unserem Preis, oder wir verklagen Dich!“, riefen sie den Suchmaschinen zu und meinten damit Fragmente ihrer Texte und irgendwas mit Monopol. Glücklicherweise spielte das Kartellamt bei dieser Überheblichkeitsüberdrehung nicht mit. Dieses verkorkste Quatsch-Gesetz haben wir trotzdem immer noch am Hals.

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Malte Spitz, 30, Autor und Grünen-Politiker, Berlin

Highlight 2014: Der Umgang der schwarz-roten Bundesregierung mit dem NSA-Untersuchungsausschuss. Eine solche Dreistigkeit und Unverschämtheit – geschwärzte Akten, keine Aussagen von Zeugen etc. – ist demokratieschädigend. Wunsch für 2015: Dass sich das ändert und endlich Konsequenzen hat.

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Ole Wintermann, 47, Blogger und Co-Founder FutureChallenges.org

Das netzpolitische Highlight des Jahres 2014 stellt für mich die Bundespressekonferenz zur Vorstellung der Digitalen Agenda im August 2014 dar. Medienvertreter aus aller Welt sahen: „Der Kaiser ist nackt.“ Ich hoffe, dass diese Erkenntnis, auf die Digitalisierung nicht ausreichend vorbereitet zu sein, 2015 viele innovative Menschen dazu antreiben wird, das Buzzword Industrie 4.0 mit Leben zu füllen.

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Raul Krauthausen, 34, Aktivist und Vorstand SOZIALHELDEN e.V., Berlin

2014 haben wir es geschafft, durch Wheelmap.org 500.000 Ortsmarkierungen zur Barrierefreiheit für die Open Street Map zu sammeln. Dazu konnten wir mit der Unterstützung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, der S-Bahn Berlin GmbH und der BVG offene Daten zu Aufzugsstörungen für Brokenlifts.org bekommen. Für 2015 wünsche ich mir noch mehr vereinfachten Zugang zu öffentlichen Daten.

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Leander Wattig, 32, Blogger und Projektmacher, Berlin

Highlight des Jahres war für mich, dass wir weiterhin die erlesensten Köpfe des Landes wie Günther Oettinger an die Netzfront schicken, um unsere digitale Zukunft zu gestalten. Für 2015 wünsche ich mir viele Arbeitsplätze in der Internetwirtschaft, damit deren Anliegen nicht ignoriert werden können.

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Markus Trapp, 48, Bibliothekar und Blogger, Hamburg

Wider die Resignation: Möge es 2015 gelingen, die Menschen besser über Gefahren für unsere Demokratie aufzuklären. Wem die anlasslose Überwachung durch NSA und BND gleichgültig ist, oder wer keine Probleme mit dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP hat, braucht Informationen – im Netz und im Gespräch.

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Tobias Schwarz, 29, chefredakteur des Magazins Netzpiloten, Berlin

Das Jahr 2014 hatte nach meiner Meinung keine wirklichen Highlights, aber viele Ereignisse, die der Anfang von zukünftigen Erfolgen sein könnten. Zum Beispiel der Ausschuss Digitale Agenda oder der mich für das Jahr 2015 optimistisch stimmende Bericht der ARD-Arbeitsgruppe Creative Commons. Es geht – vielleicht – voran.

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Tabea Wilke, 33, Digital Strategist, Berlin

Mein netzpolitisches Highlight im Jahr 2014 war die #cnight. Die klug besetzten Panels haben einen konstruktiven Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ermöglicht und gezeigt, dass die Politik offen für die Gestaltung von Rahmenbedingungen der Digitalisierung ist. Für 2015 wünsche ich mir, dass die Community ihre Ziele findet und für einen moralfreien Diskurs über die Chancen der Digitalisierung offen ist.

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Ludwig Reicherstorfer, 34, Abgeordnetenbüro im Deutschen Bundestag

Netzpolitik ist kein Sensationsthema mehr. Das ist gut! Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es uns gelingt, wirtschaftlich stark, aber vor allem auch gesellschaftlich gefestigt aus der digitalen Revolution hervorzugehen. In den Geschichtsbüchern möchte ich einmal lesen dürfen: Als wir gesehen haben, wohin uns die Digitalisierung geführt hatte, konnten wir unser Glück kaum fassen. Unglaublich!

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Gregor Sedlag, 48, Konzeptioner und Gestalter, Berlin

Michael Seemanns „Das neue Spiel“ ist für mich das netzpolitische Highlight 2014, da er im Gegensatz zu vielen anderen seine Positionen „nach Snowden“ nicht revidieren musste, sondern konstruktiv in seine These vom Kontrollverlust unter Bedingungen des Plattformkapitalismus einbinden konnte.

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Katja Berlin, 34, Autorin, Berlin

Mein netzpolitisches Highlight 2014 war die eine oder andere Personalentscheidung, die zeigte, dass man auch ohne übertrieben viel Ahnung Karriere machen kann. Das gibt mir persönlich Hoffnung. Für 2015 wünsche ich mir trotzdem mehr Reflexion.

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Nicole Ebber, 37, Vorstandsreferentin Internationale Beziehungen bei Wikimedia Deutschland, Berlin

2014 haben europäische Urheberrechtsaktivist*innen auf Twitter mit dem belgischen Atomium über dessen Auslegung der Panoramafreiheit diskutiert. Klingt wie Science-Fiction. 2015 muss die europäische Urheberrechtsreform eine einheitliche Panoramafreiheit Realität werden lassen.

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Nadia Zaboura, 35, Politikberaterin für Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung, Köln

Highlight 2014: Volker Grassmuck ruft beim Kongress „10 Jahre Netzpolitik“ eben deren Ende aus (weil: Netzpolitik durchwirkt jedes Politikfeld).

Wunsch 2015: Weniger Misstrauen zwischen Politikern und Aktivisten. Mehr Mut, Lust und Humor dabei, ein deutsches Modell zu kreieren, das globales Vorbild wird (bei: Netzneutralität, Datenschutz etc.).

berger

Prof. Dr. Gabriele Beger, 62, leitende Bibliotheksdirektorin und Juristin, Hamburg

Vor gefühlten 100 Jahren legten wir Papierkopien in Ordner, die wir Semesterapparate nannten. 2003 gestattete der Gesetzgeber uns, dies elektronisch zu tun, nicht ohne dies zu befristen. Viermal wurde die Geltung verlängert und 2014 entfristet – mein Highlight. 2015 wünsche ich mir eine allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke, die der digitalen Welt entspricht.

2 Reaktionen auf Gefragt: Vierzehn Netzköpfe antworten

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