Crowdfunding & Crowdinvesting: Suche Geld, biete Gewinn

In Deutschland hat sich einer der weltweit größten Crowdinvesting-Märkte entwickelt. Dieser soll nun durch ein Kleinanlegerschutzgesetz reguliert werden.

von Lars Hornuf

Tüftler und Unternehmensgründer benötigen neben einer innovativen Idee häufig auch hinreichend Kapital, um ihr Vorhaben zu einem marktreifen Produkt oder einer Dienstleistung zu entwickeln. Ihre Projekte sind jedoch oft zu risikoreich für Banken, zu klein für traditionelle Risikokapitalgeber und zu groß für Freunde und Familienangehörige, um als Zwischenfinanzierer einzuspringen. Einen wesentlichen Teil der Finanzierungen übernimmt deshalb der Staat mit öffentlichen Förderprogrammen. Aber auch die staatlichen Mittel haben ihre Grenzen.

In den letzten Jahren ist deshalb weltweit ein Markt für Mikro-Finanzierungshilfen entstanden, auf dem sich Start-up-Unternehmen über Internet-Plattformen um Investoren bemühen. Zu unterscheiden sind dabei drei grundlegende Geschäftsmodelle: Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending (auch Peer-to-Business-Kredite genannt).

Unter Crowdfunding versteht man das internetbasierte Sammeln von kleinen Finanzierungsbeiträgen einer Vielzahl an Menschen zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels. Crowdfunding kann verschiedene Formen annehmen. Im Schenkungsmodell spenden die Befürworter Geld. Im Belohnungsmodell erhalten die Geldgeber eine Kompensation – sie tauchen zum Beispiel im Abspann eines Films auf oder werden auf dem Cover einer CD genannt. Beim Subskriptionsmodell bekommen die Beitragenden als Belohnung das Produkt oder die Dienstleistung, die sie mitfinanziert haben.

Das Crowdinvesting ist eine Spezialform des Crowdfunding. Hier erhalten die Investoren eine Berechtigung, am zukünftigen Gewinn oder Umsatz eines mitfinanzierten Start-up-Unternehmens teilzuhaben. Ähnlich ist es beim Crowdlending, nur wird hier die Höhe des zurückzuzahlenden Betrags bereits zum Finanzierungszeitpunkt festgelegt und ist damit weitestgehend unabhängig von der tatsächlichen Entwicklung des geförderten Vorhabens.

Vor allem das Crowdfunding und das Crowdinvesting haben sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Die amerikanische Crowdfunding-Plattform Kickstarter konnte seit ihrem Start am 28. April 2009 bis zum 3. Quartal 2014 insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar an über 72.000 Gründer vermitteln. Der deutsche Crowdfunding-Markt ist mit insgesamt 14 Millionen Euro deutlich kleiner. Der Crowdinvesting-Markt hat sich in Deutschland jedoch stark entwickelt und ist mit insgesamt 34 Millionen Euro mehr als doppelt so groß wie der Crowdfunding-Markt. Lediglich in Großbritannien wurde noch mehr Kapital durch Crowdinvesting in Start-up-Unternehmen investiert.

Auch den Gesetzgebern sind die Finanzierungsschwierigkeiten der Start-up-Unternehmen bekannt. Wirkungsvolle Abhilfe sollte in den USA im Jahr 2012 das Gesetz Jumpstart Our Business Startups Act schaffen. Die Regelungen, die das Crowdinvesting für Kleinanleger betreffen, also die Beteiligung an einem Unternehmen, wurden durch die amerikanische Finanzmarktaufsicht jedoch immer noch nicht umgesetzt. Daher ist Crowdinvesting durch Kleinanleger in den USA bislang illegal.

Neue Gesetze

Innovative Rechtsnormen könnten dabei helfen, dass Deutschland Spitzenreiter im Bereich Crowdinvesting bleibt. Es liegt mittlerweile ein Referentenentwurf für ein Kleinanlegerschutzgesetz vor, das einen sicheren Rechtsrahmen für das Crowdinvesting in Deutschland schaffen soll. Laut Entwurf dürfen Start-up-Unternehmen zukünftig maximal eine Million Euro über Crowdinvesting-Plattformen einsammeln. Einzelne Investitionen dürfen 10.000 Euro pro Projekt nicht übersteigen. Zudem sollen die Kapitalsuchenden nur noch in Fachmedien für die Kapitalanlagen werben dürfen. Hinzu kommt, dass Crowdinvesting-Plattformen ein Vermögensanlage-Informationsblatt erstellen müssen. Dieses Informationsblatt muss bei Anlagen über 250 Euro von den Investoren per Hand unterschrieben und an die Finanzierungsplattform zurückgesendet werden.

Wie sind diese Regeln zu bewerten? Geht man davon aus, dass Investoren vor risikoreichen oder betrügerischen Investitionsangeboten im Internet geschützt werden müssen, dann ist eine Begrenzung der maximalen Investitionssumme durchaus sinnvoll. Prüfen institutionelle Anleger die Start-up-Unternehmen jedoch intensiver als private Kleininvestoren, dann könnte die Begrenzung der Investitionssumme den Schutz vor betrügerischen Machenschaften gerade verhindern. Die Unterschrift unter ein Informationsblatt wird wahrscheinlich niemanden von einer Investition abhalten, wenn er sie unbedingt tätigen möchte.

Fraglich ist, ob man die privaten Investoren in ihrem Handeln nicht auch befähigen kann. Der chinesische Philosoph Konfuzius sagte angeblich einmal: „Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ Eine Idee könnte sein, eine wissenschaftlich konzipierte und kontrollierte Online-Testplattform zu entwickeln, auf der potenzielle Investoren zunächst simulierte Investitionen tätigen. Das könnte den zukünftigen Investoren in kurzer Zeit Rückmeldung geben, wie viel Geld sie mit ihrem simulierten Portfolio verdient oder verloren hätten.

Ein Test würde zwar niemanden von einer Investition abhalten, jedoch über die eigenen Fähigkeiten und zu erwartende Einnahmen oder Verluste aufklären. Er könnte einmalig oder turnusmäßig zentral absolviert werden und wäre für alle Portale gleichermaßen gültig. Einfach wäre die Entwicklung eines solchen Tests sicherlich nicht – aber das sind gute Investitionsentscheidungen auch nicht.

s97

Foto: Chris Janik, 2012 Munich Sedcard

Jun. Prof. Dr. Lars Hornuf ist Volkswirt an der Universität Trier und untersucht im Rahmen eines durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts den deutschen, englischen und amerikanischen Crowdinvesting Markt. Er ist zudem Gründungspartner der Law and Economics Beratung Academicon.

Eine Reaktion auf Crowdfunding & Crowdinvesting: Suche Geld, biete Gewinn

  1. Thomas auf 30. April 2015 bei 7:55 says:

    Das Interesse an Crowdfunding steigt hier bei uns defintiv an und mit der richtigen Idee, kann man über den unterschiedlichen Plattformen doch einiges erreichen, auch wenn kein eigenes Kapital dafür zur Verfügung steht. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen diese Chance nutzen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>