#44 Clemens Haipl von Depeche Ambros
„Egal ob das Cover oder Remix heißt“

Clemens Haipl, geboren und wohnhaft in Wien, arbeitet als Autor, Kabarettist, Radiomacher und produziert Musik, unter anderem als Teil der Gruppe Depeche Ambros. Wie der Name schon nahelegt, handelt es sich dabei um den Versuch, Austropop mit Hilfe des Sounds von Depeche Mode neues Leben einzuhauchen.

Wie würdest du selbst deine musikalische Arbeit beschreiben?

Da ich nicht davon leben muss, leiste ich mir den Luxus, ausschließlich die Musik zu machen, die mir Spaß macht. Das heißt: Elektropop beeinflusst von New Order, OMD, Depeche Mode & Co.

Auf welche Weise verwendet ihr bei Depeche Ambros Werke Dritter?

Wir nehmen einen Song, der uns für sich gefällt. Dann dekonstruieren wir den auf die Basics – also Grundakkorde und Text – und rekonstruieren ihn dann im Synthpop-Stil, als wenn er in den 80ern in London entstehen würde.

Depeche Ambros läuft bisweilen unter der Bezeichnung Cover, gleichwohl es ja gerade darum geht, Austropop und den Sound von Depeche Mode zusammenzubringen. Wie würdest du Remix und Cover voneinander abgrenzen?

Es geht bei Cover und Remix darum, etwas Eigenständiges, Neues zu machen. Ob das dann „Cover“ oder „Remix“ heißt, ist nebensächlich.

Wie geht es dir damit, wenn Werke von dir remixt werden? Hast du Angst, dass Leute damit Dinge tun, die dir nicht gefallen?

Nein, überhaupt nicht. Im Idealfall übernehmen Remixer die Teile, die mir wichtig sind (also Hooks und bestimmte Sounds) – wenn etwas komplett anderes herauskommt, muss es mir nicht gefallen – spannend ist es allemal.

Was macht für dich einen guten Remix aus?

Wie gesagt, Hooks und wesentliche Sounds erkennen und weiterverwenden. Oder: Etwas komplett Neues, vielleicht sogar Besseres machen.

Hast du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Ja. Zum Beispiel das Gitarrenriff von „Never let me down“ – das war einfach zu offensichtlich gesamplet und schwer in einem anderen Kontext zu verwenden. Also haben wir es neu eingespielt :-)

Wurdest du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen deiner künstlerischen Tätigkeit?

Nein, ich (beziehungsweise das Label) hat immer im Vorfeld geklärt, ob es Probleme geben könnte. Darum habe ich zum Beispiel eine Coverversion von Abbas „Dancing Queen“ nicht veröffentlicht.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Klar, warum nicht? Bei Depeche Ambros ist es ja so, dass jeder Cent an die Urheber geht. Halte ich zwar für übertrieben, weil es ja – wie gesagt – völlig neu konstruierte Songs sind. Aber Urheber ist Urheber. In dem Rahmen soll jeder remixen, was er will.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Klassiker: Route66.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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