#42 Maik Exner und Christopher Southernwood
„Verbindung von Tradition und Innovation“

Maik Exner und Christopher Southernwood sind Teil einer Gruppe von Studierenden der Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz. Nach dem Festival Noises auf dem Gelände des Kulturzentrums b-05 in Montabaur im vergangenen Jahr haben sie einen Verein ins Leben gerufen und richten eine Veranstaltungsreihe in wechselnden Locations in der Stadt aus. Ziel ist es, Musikkultur zu vermitteln, und zwar anhand von Konzerten, Performances, Vorträgen und Filmen.

Was macht für euch einen guten Remix aus?

Christopher: Das ist pauschal schwer zu sagen, da es verschiedene Arten des Remix gibt. Bei einem Remix eines Songs beispielsweise würde ich sagen, dass das Kunststück darin besteht, einen Teil des Ursprungs-Mix zwar erkennbar zu lassen, ihn aber vollkommen neu zu kontextualisieren. Ganz sicher jedenfalls keine stumpfe Umwandlung zu einem „Four on the floor“-Beat.

Maik: Was Remixe interessant macht, ist wohl die Verbindung von Tradition und Innovation. Altes kann neu aufgearbeitet werden und manchmal wird einer neuen Generation ein Juwel aus vergangenen Jahrzehnten neu präsentiert. Ein guter Remix zeichnet sich für mich dadurch aus, dass auf eklektische Weise Elemente verbunden werden können, die man sonst so nicht zusammen hört. Damit meine ich nicht nur Samples aus verschiedenen Bereichen, sondern wenn zum Beispiel ein Remixkünstler mit einem Interpreten zusammenarbeitet, der aus einem Gebiet kommt, das der elektronischen Szene eher fremd ist.

Auf welche Weise spielen Remix und Remixkultur eine Rolle für ein Projekt wie Noises?

Christopher: Der Remix ist ein guter musikalischer Indikator der Postmoderne. Das macht ihn für uns interessant, da wir uns zum Ziel gesetzt haben, durch Hören für verschiedene Themen zu sensibilisieren. Im weiteren Sinne wollen wir die städtische Kultur remixen, da sie noch sehr stark in Hochkultur und Mainstream verhaftet ist.

Maik: Noises interessiert sich für alle Arten von Musikkultur und somit natürlich auch für die Remixkultur. Das erste Event unserer Reihe widmet sich sogar explizit der Remixkultur, dem kreativen Potential der Remixpraktiken und den medienrechtlichen sowie medienethischen Implikationen.

Gab es schon einmal den Fall, dass etwas nur aus rechtlichen Gründen nicht gespielt werden konnte?

Christopher: Bisher nicht. Aber es gefällt sicher nicht jedem, dass wir im April Brett Gaylors Dokumentarfilm „RIP: A Remix Manifesto“ im Rahmen eines Themenabends zu Remix und Sampling gezeigt und zur Diskussion gestellt haben. Und mal schauen, ob wir im Anschluss ohne Probleme einen Mitschnitt von Ghost Notes’ DJ-Set hochladen können.

Maik: Ich kann mich dem nur anschließen. Bleibt abzuwarten, ob sich nicht nach diesem Event doch noch was tut.

Gab es schon einmal Abmahnungen rund um das Festival beziehungsweise Mitschnitte davon oder sonst rechtliche Probleme?

Christopher: Obwohl wir nicht gewinnorientiert arbeiten, mussten wir für das Festival 2013 GEMA-Gebühren im dreistelligen Bereich zahlen. Wir haben durch einen Bekannten zum Glück herausgefunden, dass wir einen Härtefall-Nachlass-Antrag stellen können.

Was haltet ihr von der Idee, ein Recht auf Remix mit Vergütung für die verwendeten Originalwerke einzuführen?

Christopher: Prinzipiell viel. Der Teufel steckt dann im Detail. Was ist beispielsweise, wenn der Remix kostenlos veröffentlicht werden soll?

Maik: Ehrlich gesagt bräuchte ich doch etwas mehr Informationen zu dieser Idee, um mir ein genaues Urteil bilden zu können. Die Vergütung sollte zum Beispiel den kommerziellen Stand mit einbeziehen. Wenn der Remixer oder die Remixerin ohnehin kaum Geld mit dieser Tätigkeit verdient oder ihre Werke kostenlos zur Verfügung stellt, dann wäre es nicht angemessen, weitere Steine in den Weg zu legen.

Zum Abschluss, was ist euer persönlicher Lieblingsremix?

Christopher: Ich bin ein Freund von Alben. Deswegen ist mein Lieblingsremix das ausschließlich samplebasierte „Endtroducing…“ von DJ Shadow.

Maik: Ich denke, ich würde hier auch am ehesten auf ein Album verweisen und zwar auf „Oceanic Remixes/Reinterpretations“ von Isis. Was dieses Remixalbum so interessant macht ist, dass Post-Rock/Sludge-Mischung der Band hier von Künstlern wie Fennesz, Tim Hecker, Venetian Snares oder Thomas Köner geremixt wird, also von Leuten, die aus ganz anderen Bereichen – wie zum Beispiel Drone, Ambient, Soundart, Breakbeat – stammen und somit eine Kollaboration von meist eher gegensätzlich wahrgenommenen Stilen entsteht.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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