#41 Sebastian Schmieg
„Nicht nur bescheuerte virale Videos auf Facebook teilen“

Der Berliner Medienkünstler Sebastian Schmieg nutzt in seinen Arbeiten selbstgeschriebene Software, zum Beispiel um Googles umgekehrte Bildersuche tausendfach automatisiert auszuführen und gefundenes Material – Fotos, Programmiercode, Textstellen, MIDI-Musikdateien und so weiter – miteinander zu kombinieren.

Wie würdest du selbst deine künstlerische Arbeit beschreiben?

Als Künstler versuche ich unsere hoch-technologisierte Gegenwart zu verstehen, indem ich Eigenheiten bestimmter Medienartefakte herausarbeite. Dabei interessieren mich algorithmische Prozesse und Interfaces, die oft sehr einfach und fast durchsichtig daherkommen, aber hochgradig konstruiert und aufgeladen sind. Mir geht es um das, was hinter den Fortschritts- und Glücksversprechen steht, und um das, was sich abseits davon finden und mitunter feiern lässt.

Auf welche Weise verwendest du selbst Werke Dritter?

Ich verwende fast ausschließlich Material, das ich im Internet finde. Dabei geht es mir selten um einzelne „Werke“, sondern um Muster, die sich im Gesammelten entdecken lassen. Meist bringe ich die Dinge in einen neuen Zusammenhang und weise, eher abstrakt, auf die Zusammenhänge hin.

Was macht für dich einen guten Remix aus?

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Schmiegs Antwort auf die Frage, was einen guten Remix ausmacht: Catt (2010), Installation des Künstlerkollektivs 0100101110101101.org (Eva and Franco Mattes), die auf ein Internet-Mem Bezug nimmt.

Wurdest du schon einmal abgemahnt oder hattest du rechtliche Probleme wegen deiner künstlerischen Tätigkeit?

Nein, ich hatte noch keine Probleme. Das liegt vermutlich daran, dass die, deren Material ich verwende, davon in der Regel nichts wissen.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich bin grundsätzlich für alles, was es Menschen ermöglicht, sich kreativ und kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was andere ihnen vorsetzen. Wir sind doch nicht nur dazu da, eure bescheuerten viralen Videos auf Facebook zu teilen.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Auch wenn es kein Remix an sich ist, so finde ich „We Technoviking“ von Matthias Fritsch sehr interessant, da hier sein ursprüngliches Video durch Reenactments von Fans auf Youtube ersetzt und rechtlich wieder „rein“ wird – er darf ja seine Originalaufnahme nicht mehr zeigen (siehe Interview mit Matthias Fritsch). Generell eine sehr facettenreiche Arbeit.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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