#4 Kassandra Wellendorf
„Musikrechte klären ist zu kompliziert“

Die Regisseurin und Medienkünstlerin hat Film, Medienwissenschaft und Visual Culture an der Universität Kopenhagen studiert, wo sie derzeit am Department of Arts and Cultural Studies in der Lehre tätig ist. Ihre Videoinstallationen wurden unter anderem im Dänischen Nationalmuseum, den Kunstmuseen Magdeburg und Skive sowie Dänischen Museum für zeitgenössische Kunst ausgestellt. In der Liste ihrer Arbeiten für das Dänische Filminstitut finden sich Hintergrundinformationen zu der Trilogie „Mismeetings“, bestehend aus Close (2002), Invisible (2004) und Outside (2005).

Was macht für dich einen guten Remix aus?

Einem guten Remix gelingt eine Balance zwischen Wiedererkennung und neuen persönlichen Ausdrucksformen – eine Arbeit, die mit den Vorstellungen des Betrachters beziehungsweise Zuhörers spielt sowie mit dem Erkennen des Originals. Ein Remix öffnet sich damit für verschiedene Re-Interpretationen des Publikums.

Auf welche Weise verwendest du selbst Werke Dritter?

Ich verwende nicht direkt Werke von anderen, aber ich bin oft inspiriert von Bildkomposition, Bearbeitung, Texten und Sounddesign von Kunstschaffenden wie beispielsweise Marguerite Duras, Alain Resnais, Dziga Vertov und Vladimir Majakovskij. Ich verwende ihre Werke bewusst nicht unmittelbar, weil ich mit dem Urheberrecht nicht in Konflikt geraten möchte. Die Sounddesigner, mit denen ich arbeite, bedienen sich jedoch via Copy & Paste bei verschiedenen Künstlern (keine Musik), wenn sie Sounddesigns für meine Werke erstellen.

Hast du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample nicht verwendet?

Ich möchte häufig Musik in meinen Soundcollagen und Filmen integrieren, entscheide mich aber das nicht zu tun. Jedes Mal, wenn ich versucht habe, die Musikrechte für meine Filme zu klären, war es so kompliziert, dass ich es aufgegeben habe. Andere Künstler haben oft meine Arbeiten kopiert und umgewandelt, mal ohne mich zu fragen und mal mit. 2005 wurden größere Teile meines Films „Invisible“ als Teil des Bühnenbilds für das französische Bühnendrama „Planète“ verwendet. Sie fragten um Erlaubnis und ich fühlte mich geehrt, Teil ihres Werkes zu werden. Im Jahr 2009 wiederum stolperte ich über einen Film von Daniel Egennolf, der „Invisible“ mit Doctor Schiwago remixt hat. Ich habe den Link dazu auf meiner Facebook-Seite geteilt.

Wurdest du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen deiner künstlerischen Tätigkeit?

Da ich bislang noch nicht bewusst das Urheberrecht verletzt habe, hatte ich bislang noch keine rechtlichen Probleme. Aber ich habe drei experimentelle Radiocollagen im Rahmen der DR (öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in Dänemark) erstellt und es gibt keine legale Möglichkeit für mich, diese Produktionen außerhalb des nationalen Radios zu spielen. Der Grund dafür ist, dass wir Musik und Töne des nationalen Radioarchivs verwendet haben, deren Rechte nur für die Ausstrahlung im Rahmen der DR geklärt sind, aber für nirgendwo sonst. Bisweilen spiele ich trotzdem eine oder zwei dieser Collagen in einem Museum.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Das wäre eine gute Idee, solange klar gemacht wird, welche Werke wie verändert wurden.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Favorit ist „Man With a Movie Camera: The Global Remake“ der US-amerikanischen Künstlerin Perry Bard. Diese Produktion schafft es, Leute zur Erstellung nutzergenerierter Reinterpretationen sämtlicher Einstellungen des Films „Man with a Movie Camera“ von Dziga Vertov zu motivieren. Das Ergebnis ist sowohl Anerkennung, Remix und fortgesetzte – seit mittlerweile sechs Jahren – Reinterpretation seines Werks.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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