#35 WhoSampled.com
„Kreativität ist entscheidend“

WhoSampled ist eine Webseite und App, die die weltweit größte Datenbank von samplebasierter Musik, Coverversionen und Remixes umfasst. Der Dienst wurde vor fünf Jahren gegründet, um Musikfans dabei zu helfen, die Verbindungslinien im Musikuniversum zu ziehen und die Originale hinter der Musik, die sie lieben, zu entdecken. Für das Interview kontaktierten wir Mitgründer Nadav Poraz, der sich dazu entschied, das ganze WhoSampled-Team in die Beantwortung der Fragen mit einzubeziehen.

Wie kam es zur Gründung von WhoSampled? Was waren die Herausforderungen?

Wir waren schon immer große Fans von samplebasierter Musik. Wir fanden, dass das Entdecken der Originale hinter den Tracks einer der schönsten Wege ist, um zu verstehen, von welchen Künstlern unsere Lieblingskünstler beeinflusst wurden. Außerdem ist es eine tolle Möglichkeit, ältere Musik zu entdecken. Wir wollten die Wertschätzung für samplebasierte Musik fördern und mehr Menschen das großartige Gefühl geben, das man kriegt, wenn man ein Originalsample in seinem Lieblingssong entdeckt. Die Herausforderungen waren ähnlich denen vieler anderen community-getriebenen Webseiten: Ein Publikum erreichen, eine Community aufbauen und den Zustrom an Inhalten bewältigen.

Aus eurer Perspektive, was macht einen guten Remix aus?

Kreativität ist entscheidend. Wenn das Originalmaterial kreativ wiederverwendet und geschickt mit anderen Sounds gemixt wird, kann das Ergebnis magisch sein. Am Ende zählt das Endergebnis, aber viele der fantastischsten samplebasierten Platten bestehen aus mehren Schichten von kreativ ineinander gemixten Samples.

Wie verwendet ihr selbst Werke anderer in eurer Arbeit?

Diese Frage passt besser zu Kunstschaffenden als zu Webseitenbetreibern, aber viele Mitarbeiter von WhoSampled sind oder waren einmal Kunstschaffende, Produzenten und/oder Label-Besitzer und wir sehen einen enormen Wert in der Sampling-Kunst. Sampling wird oft als „Plagiarismus“ oder „Diebstahl“ bezeichnet, aber in Wirklichkeit ist es, wenn es kreativ gemacht wird, eine unglaublich mächtige Kunstform, die Vorstellungsvermögen und Fachkenntnis erfordert.

Gab es hinsichtlich WhoSampled.com bislang rechtliche Probleme?

WhoSampled ist eine legale Plattform, wir hatten also bislang noch keine rechtlichen Probleme. Auf unserer Webseite und in unserer App nutzen wir nur lizenzierte Musik-Streaming-Provider wie VEVO, Youtube oder Spotify, so dass die Künstler und die Rechteinhaber für jeden Stream bezahlt werden. Wir bieten außerdem bequeme „Kaufen“-Buttons, damit sich Musikfans die Musik, die sie bei uns entdecken, bei Diensten wie iTunes oder Amazon kaufen können. Unsere Plattform stellt quasi jene Backkatalog-Musik in die Auslage, die gesamplet, gecovert und geremixt wurde, und sorgt so automatisch für Vergütung durch Streaming und Musikverkäufe.

Was haltet ihr von der Einführung eines „Rechts auf Remix“ inklusive Vergütung für die Urheber der verwendeten Werke?

Sampling-Künstlern erzählen uns, wie kompliziert und kostspielig es ist, Samples zu klären, und wir unterstützen deshalb Initiativen, die Sampling, Remixing und Mashups unterstützen und fördern – wie es im digitalen Zeitalter selbstverständlich sein sollte. Solche Initiativen könnten neue Werte schaffen – für Rechteinhaber von vergessenen Werken und Remixer gleichermaßen. Gleichzeitig könnte sichergestellt werden, dass jeder die verdiente Anerkennung bekommt, vergütet und mit Respekt behandelt wird.

Zum Abschluss, was ist euer persönlicher Lieblingsremix?

Wir lassen hier am besten die WhoSampled-Community entscheiden. Unsere Community bewertet ständig die gesamten Inhalte unseres Dienstes. Das derzeit am besten bewertete Sample aller Zeiten ist The Notorious B.I.G.’s „Ten Crack Commandments“-Sample von Les McCann’s „Vallarta“, produziert von DJ Premier. Wir finden, dass das ein fantastisches Beispiel dafür ist, wie ein kurzes Sample auf kreative Weise in einen völlig anderen neuen Track in einem anderen Genre transformiert werden kann… und beide Tracks sind es wert, gehört zu werden!

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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