#32 Johann Fanger
„Einblick in den Nukleus des Werkes“

Johann Fanger ist seit zehn Jahren als Instrumentalist in verschiedenen Ensembles unterwegs, deckt stilistisch fast alles zwischen Jazz, Klassik, Rock und Pop ab, arbeitet seit fünfzehn Jahren international als House-DJ international und seit fünf Jahren an ersten (Solo-) Eigenproduktionen, momentan vor allem als Live-Act. Außerdem ist erd Kurator von Konzerten und Events und berät andere Künstler und Institutionen.

Inwieweit verfügen Sie selbst über Erfahrungen als Remixer?

Ich habe bereits diverse Remixe für Künstler aus dem Pop- und Elektronik-Sektor gemacht, aktuell für das Rivulet Label aus Leipzig und auch für den #DSOremix-Wettbewerb des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin werde ich wohl noch einen neuen Mix beisteuern.

Was macht für Sie einen guten Remix aus?

Für mich ist ein guter „Remix“ im eigentlichen Sinne des Wortes, wenn die im Original vorhandenen Elemente neu abgemischt und re-arrangiert werden und so anders oder auch überhaupt erst wahrnehmbar werden. Wenn dann noch auf intelligente Weise die im Original angelegten musikalischen Ideen weitergeführt werden und so vielleicht ein eigenständiges neues Werk entsteht, bin ich hin und weg.

Haben Sie schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Nein, das ist bei mir noch nicht vorgekommen und ist auch bei Auflagen von 300 bis 500 Stück meist kein Problem.

Sie veranstalten gerade gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin den Remix-Wettbewerb „Into a New World“. Wie entstand die Idee und was sind Ihre persönlichen Gründe für das Engagement dabei?

Die Idee, einen Remix-Wettbewerb mit klassischem Material zu machen, bestand schon seit längerer Zeit aufseiten des Orchesters. Nachdem wir bereits seit 2011 erfolgreich an den „Casual Concert & Lounge Events“ zusammengearbeitet hatten, haben wir dann im Frühjahr 2013 mit der Umsetzung der Idee begonnen. Für mich persönlich ist das Spannendste an unserem Wettbewerb, dass wir eine im Pop- und Elektronikbereich gängige Produktions- und Recording-Praxis – also jedes Instrument einzeln aufzunehmen – auf ein Werk klassischer Musik angewendet haben und so erstmalig ein Teil eines Orchesterwerks in öffentlich-zugänglichen Einzelspuren vorliegt. Dieses ermöglicht unseren Teilnehmern einen Eingriff und einen Einblick in den Nukleus des Werkes und könnte vielleicht langfristig dazu führen, die Scheu vor scheinbar überkomplexer Orchestermusik zu verringern – schließlich verwenden die meisten elektronischen Studioproduktionen mindestens genauso viele oder sogar mehr Spuren als so manches Orchesterwerk.

Was halten Sie von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich finde das als theoretisches Gedankenexperiment durchaus reizvoll, aber es geht für alle, die von der Kreation und Produktion musikalischer Werke leben, an der ökonomischen Realität vorbei. Unweigerlich würde es für Musiker und Autoren wohl noch schwieriger werden als bisher, ihre Rechte durchzusetzen, wenn andere ohne Erlaubnis, Teile oder ganze Passagen aus bestehenden Werken für ihre eigenen Produktionen verwenden dürften. Nach der hier vorliegenden Definition wäre das ja einfach ein Remix.

Wir sollten uns vielleicht erstmal mit der Umarbeitung bestehender Vergütungspraktiken – GEMA! – und dem völlig unzeitgemäßen Urheberrecht beschäftigen, bevor wir darüber nachdenken, wie wir sogenannte Mashup-Produktionen vergüten könnten. Dann sollten wir doch lieber die Autoren der „Ableton Live Time Warp“-Funktion und die ErfinderInnen des Traktor SYNC-Buttons an Lizenzgebühren beteiligen.

Zum Abschluss, was ist Ihr persönlicher Lieblingsremix?

Gar nicht so einfach, sich hier zu entscheiden. Momentan habe ich wieder alte PRINS THOMAS und DXON-Edits entdeckt, aber vielleicht wäre so etwas wie ein persönlicher All-Time-Favorite der LCD Soundsystem – 45:33 (Prince Language Remix)“, vermutlich auf ewig als Abgesang auf eine der besten Bands unserer Zeit.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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