#31 Melissa Logan
„Remix erlaubt kulturelle Erneuerung“

Melissa Logan gründete 1997 gemeinsam mit Alex Murray-Leslie die Gruppe Chicks on Speed an der Münchner Akademie der Künste. Die Idee dabei war, als multi-modales Kollektiv zu arbeiten und damit die Vorstellung des isolierten Künstlergenies zurückzuweisen. Chicks on Speed tourten auf der ganzen Welt als elektronische Popgruppe und traten als Performance-Künstlerinnen im MOMA New York, Tate Modern London, Centre Pompidou in Paris, MOMAK in Kyoto und vielen Orten mehr auf. Daneben haben sie tragbare Technologien entwickelt, die sie „Objektinstrumente“ nennen. Zu diesen zählt auch eine Serie von Apps, die mit freundlicher Unterstützung des ZKM Karlsruhe und der Initiative Musik realisiert werden.

Zur Zeit arbeitet ihr an einer Musik- und Remix-App – wie wird sie funktionieren?

Die App, die wir bauen, basiert auf einem klassischen DJ-Setup mit zwei Plattenspielern samt Mixer, enthält einige Effekte, Tonhöhenregelung und natürlich kann man scratchen. Ein zweites Fenster zeigt das „Plattenregal“ an und wir suchen gerade nach Wegen, um Mixe mit anderen Nutzern austauschen und teilen zu können.

Was macht für dich einen guten Remix aus?

Ein toller Remix fügt einem Song Tiefenebenen hinzu. Die Bearbeitung der Musik und des Textes macht ihn präziser, schärfer oder aktueller. Musik ist eine Kunstform, die stark mit dem Hier und Jetzt verknüpft ist. Jede Zeit und jeder Ort braucht seine Musik: der Sommerhit, das Album des Jahres. Gute Songs können für Generationen überleben und der Remix erlaubt diese kulturelle Erneuerung eines Songs, die dafür notwendig ist.

Auf welche Weise verwendet ihr selbst Werke Dritter?

Als Chicks on Speed arbeiten wir normalerweise mit Covern von tollen Songs, bisweilen schreiben wir aber Texte um und das erfordert eine kompliziertere Aufteilung.

Hast du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Manchmal verwenden wir andere Musikstücke, um darauf Songs aufzubauen, aber wenn der Song fertig ist, entfernen wir normalerweise die Samples. Eine solche Nutzung von Samples ist für uns ein Arbeitswerkzeug.

Wurdet ihr schon einmal abgemahnt oder hattet rechtliche Probleme wegen eurer künstlerischen Tätigkeit?

Ja, das ist ganz normal.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Natürlich hört sich das erstmal gut an, wenn Künstler dann tolle Remixes machen dürfen. Gleichzeitig wäre es aber schrecklich, wenn jemand Songs von Chicks on Speed nimmt, sie remixt und dann den Remix an BP oder sonst eine beschissene Firma verkauft, und wir dann kein Recht mehr hätten zu verhindern, dass unsere Texte und Stimmen auf diese Weise verwendet werden.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Was ich wirklich mag, ist es eine Reihe von Remixes eines einzelnen Songs zu hören. Ein Beispiel ist „In the year 2525“ von Zager & Even..

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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