#2 DJ Bionic Kid
„Remix macht einen wesentlichen Teil der elektronischen Musikproduktion aus“

DJ Bionic Kid ist seit 1993 als DJ und seit 1997 als aktiver Musiker und Produzent tätig, vor allem als Teil des Wiener Hip-Hop-Kollektivs Waxolutionists.

Was macht für dich einen guten Remix aus?

Je nachdem, welchen Zweck der Remix erfüllen soll – ein tanzbarer Remix für einen Kuschelrocksong oder eher ein künstlerischer, experimenteller Remix für ein Dance-Stück – gibt es für mich verschiedene wichtige Aspekte. Im Grunde bearbeitet ein guter Remix die Originalspuren so, dass das Original zu erkennen ist, der Remix trotzdem gleichzeitig wie ein neuer Track klingt, vom alten Charme vielleicht Teile beibehält, aber auch den (im besten Fall) unverwechselbaren Stil des Remixers erkennen lässt. Wenn man hört, dass sich jemand Mühe gegeben hat und musikalisch gearbeitet hat, dann zeichnet das ebenfalls einen guten Mix aus. Viele Remixarbeiten sind leider oft nach Schema F produziert, oft geht es eher um den Namen des Remixers als um den tatsächlichen Inhalt.

Auf welche Weise verwendest du selbst Werke Dritter?

Ich habe mit Hip-Hop und Konsorten begonnen, ergo war beziehungsweise ist Sampling ein ganz natürlicher Teil meiner Arbeit. Allerdings arbeite ich nicht gerne mit ganzen Loops oder längeren Samples. Anders als bei frühen Hip-Hop-Tracks, manipuliere ich sehr gerne Samples, arbeite mit komplexeren Sample-Layern und versuche die Samples mit selbst Eingespieltem so zu kombinieren, dass man am Ende nicht weiß, was ist was.

Hast du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample nicht verwendet?

Ich habe bisher nur bei kommerziellen Produktionen, zum Beispiel für Werbejingles, auf die Verwendung von Samples verzichten müssen. Bei unseren Eigenproduktionen ist das eigentlich hinfällig. Wir bewegen uns fernab von kommerzieller Nutzung, dafür reichen die verkauften Stückzahlen nicht aus.

Wurdest du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen deiner künstlerischen Tätigkeit?

Wir wurden nur ein einziges Mal gemahnt, und das ausgerechnet in Österreich. Wir hatten für eine Remixproduktion ein altes Schrammel-Sample in einem gescratchten Refrain verwendet und hatten deswegen dann auch kurz Probleme. Die ganze Sache war dann aber recht einfach erledigt. Auf Youtube hatte ich erst kürzlich einige Probleme mit Copyright-Verletzungen. Lustigerweise waren es aber immer meine eigenen Werke, deren komplette Rechte (auch die mechanischen) ich sogar besaß, wegen denen die alten Labels, die damals noch die Rechte innehatten, Stress machten. Auch hier war alles schnell bereinigt.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Fände ich gut, wir leben nun mal in einem Zeitalter, wo Remixen einen wesentlichen Teil des elektronischen Musikmarkts ausmacht, da können gerne auch die Tantiemen etwas besser und fairer aufgeteilt werden. Früher wurden Remixes meist pauschal abgegolten, was mittlerweile in vielen Sparten aufgrund von Kleinst-Stückzahlen beziehungsweise generell niedrigen Gewinnmargen einfach nicht mehr möglich ist.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Da gibt es leider einige. Auf Anhieb fallen mir da ältere Remixarbeiten von 4hero ein. Aphex Twin wäre auch noch zu nennen. Ach, da gibt es viel zu viele. Generell waren die Briten immer ganz vorn dabei, wenn es darum ging, Musik zu remixen, in ein neues Gewand zu stecken und währenddessen vielleicht sogar eine neue Musikrichtung zu erfinden. In puncto klassischem Sampling (auch wenn das nur einen möglichen Teil des Remixens darstellt) gehören sicherlich DJ Premiers und DJ Shadows Arbeitsweisen zu meinen wichtigeren Einflüssen.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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