#17 DJ Ipek
„Musikindustrie ist immer mehr auf RemixerInnen angewiesen“

Ipek Ipekcioglu aka DJ Ipek bezeichnet ihren Zugang als „Eklektik BerlinIstan“, ein Wortspiel aus Berlin und Istanbul, der sehr traditionelle bis hin zu sehr elektronischen Tunes miteinander mischt, teilweise auch in Form von Live-Remixes. Sie produziert für Film und Theater (zum Beispiel für die Wiener Kammeroper) und arbeitet mit verschiedenen MusikerInnen als Komponistin, Remixerin oder bei Live-Auftritten zusammen, zum Beispiel mit dem Olivinn Ensemble Classical Fusion, Musiqa Sequenza oder Electro-Acoustic-Classik, und hat eine eigene Band namens DeliBrass.

Auf welche Weise verwendest du selbst Werke Dritter?

Während ich auflege, mache ich zum Beispiel Live-Remixes. Wenn ich Compilations bei Trikont herausgebe, benutze ich selbstverständlich lizenzierte Werke Dritter. Und natürlich erstelle ich eigene Remixes von Tracks, die mir besonders gut gefallen, für nicht-kommerzielle Zwecke. Für meine veröffentlichten Remixes habe ich immer eine Lizenz.

Wie stehst du dazu, wenn andere Leute deine Werke remixen? Hast du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die dir nicht gefallen?

Wenn DJs oder Producer meine Musik so gut finden, dass sie sich hinsetzen, Zeit und Ideen investieren und etwas anderes daraus machen, egal ob es jetzt ein guter oder ein schlechter Remix ist, finde ich das grundsätzlich sehr gut. Und es ist eine gute Werbung für mich, weil Zuhörer das Original im Vergleich hören wollen. Klar ist, nicht alle Remixes sind toll, aber grundsätzlich bin ich sehr offen dafür, dass meine Werke geremixt werden.

Was macht für dich einen guten Remix aus?

Ein Remix ist dann gut, wenn die Essenz des Originalwerkes beibehalten oder sogar gesteigert werden kann und nicht umgekehrt. Eine völlige Veränderung des Werkes kann sehr spannend, aber auch befremdlich sein. Ein guter Remix sollte auf jeden Fall keine Kopie des Originals sein, in dem man darunter nur ein paar Beats eingefügt und den Track nur schneller gemacht hat. Das wäre für mich lediglich ein Re-Edit, aber kein Remix.

Dennoch heißt ein Remix nicht, dass es sich um einen total anderen Track handelt. Der Originaltrack sollte dennoch erkennbar sein. Es gibt leider genug Remixe, wo ich denke, das braucht die Welt nicht.

Hast du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Ja, ja, ja. In erster Linie aus rechtlichen Gründen oder weil die Lizenz dafür zu erfragen, einfach zu bürokratisch oder zu teuer sein kann, oder weil ich nicht die richtigen Connections zum Rechteinhaber hatte. Natürlich geht es darum, das Werk des Künstlers zu respektieren. Ich verändere den Track zwar nach meinem Gutdünken, sofern ich aber namentlich angebe, wen oder was ich geremixt habe, klaue ich de facto nichts, sondern interpretiere das Original lediglich anders. Es gibt viele Tracks, die ich toll finde und aus denen ich gerne etwas machen würde, aber ich könnte sie ohne die Genehmigung eigentlich nicht herausgeben, weil ich mich damit strafbar machen würde, was ich ein Unding finde. Es werden oft Unsummen für ein Sample verlangt, was ich unverhältnismäßig finde, und was zu zahlen ich nicht bereit wäre, zumal ich über CD-Verkäufe das Geld nicht wieder hereinbekomme und mir keine GEMA-Gebühren zustehen, da ich nur Bearbeiterin wäre.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Wenn es den Besitzern des Originalwerkes zugute kommt, ich mir damit das Recht hole, alles zu remixen, und wenn das keine horrende Summe ist, bin ich sehr gerne dabei und unterstütze diesen Gedanken. Letzten Endes kommen die GEMA-Gebühren den Komponisten zugute und nicht der Bearbeiterin, damit verdient der Rechteinhaber des Originalwerks zusätzlich Geld. Damit hätte der oder die KünstlerIn auch etwas davon. Der oder die RemixerIn hat hoffentlich etwas Neues und Gutes geschaffen und kann damit etwas bekannter werden. In Anbetracht dessen, dass die Musikindustrie sich im Leerlauf befindet und immer mehr auf Retromusik zurückgreift in Form von Covern und Remixes (Swing, Remixes der 1960er , 1970er, 1980er etc.) wird immer klarer , dass sie eigentlich immer mehr auf RemixerInnen angewiesen ist.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Baris Manco – Dönence DiskoFunk Remix by me.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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