#14 DJ Aroma
„Recht auf Remix wäre ein Traum“

DJ Aroma lebt momentan in Berlin und Portugal und bezeichnet sich selbst als Künstlerin, weil sie sich als Produzentin, Live Act und DJ, aber nicht als Dienstleisterin versteht. Sie macht Musik mit unterschiedlichen Mitteln und einem sehr performativen Ansatz, der versucht aus der Beschäftigung mit dem Ort und der Art der Nutzung die beste Ästhetik zu entwickeln. Im normalen Cluballtag wird ihre Musik als „Deep House“ bezeichnet. Unter der Woche ist sie Labelmanagerin bei Aromamusic, WAAP und Audio Collective.

Auf welche Weise verwendest du selbst Werke Dritter?

Die fieseste Verwertung von Werken Dritter findet ständig in meinem blonden Hinterkopf statt. Ich höre einen Track und er lässt mich nicht mehr los und dann lasse ich mich davon inspirieren. Es kann sein, dass ich nur das Arrangement analysiere oder dass ich einen Sound besonders toll finde und den dann nachbaue. Ich bin auch ein großer Fan von Disco, da wird es dann allerdings schwieriger, weil ich da bereits Loops im Kopf schneide, die ich dann nicht verwenden darf.

Wie geht es dir damit, wenn Werke von dir remixt werden? Hast du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die dir nicht gefallen?

Ich bin da schmerzfrei, denn mein Track steht ja als Original im Raum.Wenn jemand anderes etwas Ekelhaftes daraus macht, steht ja sein oder ihr Name drauf. Ich stelle mir gerade zum Beispiel vor, Guetta remixt DJ Aroma, da kommt bestimmt was ganz Schlimmes raus – aber was soll’s, ich würde sicher viele neue tolle Geräte von dem Geld kaufen können, das mir so ein Remix einspielt, wenn das korrekt geregelt wäre.

Aber der Regelfall ist ja ein anderer, man macht Remixe mit Freunden und für Freunde oder Künstler, die man mag, und da ist das nur ein großer Spaß unter Musikschaffenden. Denn man kann beispielsweise seine Lieblingstracks von anderen so remixen, dass sie noch einmal die Dynamik eines anderen Produzenten oder einer anderen Produzentin bekommen. Ich habe in den letzten zwei Jahren so viele Remixes gemacht, dass ich gerade ein Remixalbum vorbereite, das im November erscheint.

Was macht für dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix ist auf jeden Fall eine eigene künstlerische Leistung in der Auseinandersetzung mit dem Werk. Die heute oft gängige Praxis ist: Man nimmt einen sehr bekannten Track, legt einen Beat darunter und macht so den eigenen Namen bekannter, aber Remix ist das keiner. Die Gründe hierfür liegen aber in einer anderen Problematik, denn heute regiert der Markt viel mehr als früher und den sogenannten Underground oder die Avantgarde gibt es kaum noch. Die meisten wollen heute mit Musik einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen, denn nur so kommt man an Gigs. Das hat im Zuge des Überangebotes eine fiese Dynamik angenommen.

Wie ist deine Herangehensweise an Remixes?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man an Remixe herangeht. Ich mache das immer von dem Material abhängig, das ich habe. Manchmal gefallen mir nur ganz kleine Parts und manchmal bleiben große Reste von Vocals oder einer Hookline, da ist der Wiedererkennungswert höher. Das ist im Vorfeld schwer zu sagen. Heutzutage kann man kaum noch wirklich aufwendig produzieren, weil der Verkaufszyklus von Musik immer kürzer wird. Bei Vinyl konnte vor zehn Jahren ein Track durchaus ein Jahr verkauft werden, bei MP3s ist das Zeitfenster im Normalfall heute gerade mal sechs Wochen bis drei Monate.

Hast du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample nicht verwendet?

Oh ja. Ich habe gerade mal wieder das Problem, weil ich mich an Disco vergriffen habe und genau weiß, wenn ich das herausbringe, dann bin ich auf der Flucht vor hungrigen Anwälten. Ich kann diesen Track nur live spielen. Bereits wenn ich den Liveact mitschneide und auf Soundcloud stelle, kann ich schnell ein Problem bekommen, also lasse ich es. Ich hätte kein Problem zu bezahlen, der Originalkünstler sollte ja auch seinen Anteil bekommen. Bei unserem Label regeln wir das immer fünfzig Prozent Original, fünfzig Prozent Remixer, das finden wir fair. Wenn man nicht solche „Unternehmen“ wie die GEMA hätte, die sich einfach weigern ein ordentliches Warenwirtschaftssystem bereitzustellen, wäre auch die Abrechnung im größeren Rahmen kein Problem.

Wurdest du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen deiner künstlerischen Tätigkeit?

Ich habe bereits einen Prozess mit der GEMA geführt, weil ich keine Lust hatte, bei der GEMA für Dinge zu bezahlen, die gar nicht aus deren Repertoire stammen. Das wird auch noch eine spannende Frage, wenn die GEMA einmal in einzelnen Tracks abrechnen muss, weil ich nämlich noch einen alten GEMA-Vertrag habe, in dem die digitalen Rechte nicht enthalten sind. Mal sehen, wie es auf dieser Tanzfläche weitergeht.

Was Abmahnungen betrifft, bin ich sehr vorsichtig und halte mich sehr genau an die Regeln. Für meine eigenen Werke mache ich grundsätzlich keine Exklusivverträge, so dass ich das Recht an meinem Werk immer selbst behalte. Da gibt es dann vergleichsweise wenige Wege einen zu belangen. Ich habe zum Beispiel einmal einen Brief eines Anwaltes bekommen, der behauptete, er würde die Rechteinhaber meiner Songs vertreten, da musste ich herzlich lachen.

Was hältst du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ein vergütetes Recht wäre ein Traum und vor allem der Zeit angemessen. In absehbarer Zeit werden wir mit Samples und Loops wahrscheinlich gleich viel einspielen wie mit Tracks. Da wäre es sinnvoll, wenn man das vergüten könnte. Die DJs werden aufgrund der neuen Technologien immer kreativer, was die Verwendung von Musik betrifft. Eine Grundforderung ist, DJing als eigenständige künstlerische Leistung zu honorieren – die GEMA verweigert das. Jeder Honk, der auf einem Klavier eine Taste trifft, darf als Künstler abrechnen, DJs aber nicht. Wenn man Tracks als verlegte Werke betrachten würde, könnte man ohne Probleme auch DJing als Kunstform anerkennen, dann gäbe es einen Anteil für die Performance. Insgesamt ist ein grundsätzliches Neudenken erforderlich, da die letzten dreißig Jahre technologisch und ästhetisch viel geändert haben. Bei Clubmusik ist das meiste Repertoire nicht GEMA-geschützt. Wenn im Clubkontext trackbasiert abgerechnet und nicht nach dem Gießkannen-Prinzip an die großen Player verteilt würde, würde viel mehr Geld an die Clubszene zurückfließen.

Zum Abschluss, was ist dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein persönlicher Lieblingsremix ist momentan ein Track von Maurice Aymard aus Barcelona vom Galaktika-Label. Der Track hat mich durch einen bösen Berliner Winter gerettet und da ich Maurice kenne, habe ich ihn nach den Remix-Files gefragt. Wir waren uns einig, dass wir kein Abrechnungskuddelmuddel wollen, sondern ihn verschenken: Freier Download auf meiner Soundcloud-Seite.

Das Interview führte Leonhard Dobusch.

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